Der folgende Beitrag ist eine Reaktion auf einen Gastbeitrag bei Astrodicticum simplex, daher sollte man sich diesen vorher durchgelesen haben.
Ich studiere ebenfalls Japanologie, allerdings in Tübingen. Ich selbst studiere noch die Magistervariante, kenne aber die Nöte meiner Bachelor/Masterkommilitonen durchaus.
Hier sieht die Situation zum Teil ähnlich aus. Die Anzahl der Neuanfänger wurde auf 24 Hauptfächler und ebenso viele Nebenfächler reduziert, Geld für eine weitere Lektorenstelle (oder gar eine Professur) ist natürlich ebenfalls nicht vorhanden. Soweit kann ich die Probleme nur bestätigen.
Einen NC halte ich allerdings für eine absolut katastrophale Lösung des Problems. Genau so gut könnte man Würfeln oder Lose ziehen. Jemandem der sein Mathe-Abitur mit 1,0 bestanden hat eine bessere Eignung für das Studium der Japanologie zu bescheinigen als dem, der leider nur eine 3 geschafft hat, ist absurd. So weit ich weiß gibt keine Statistiken die einen Zusammenhang zwischen Abiturnote (die sich ja aus wer-weiß-was zusammensetzen kann) und den späteren Noten im Japanologiestudium nachweisen. Das NC-System wird nur deshalb zur Begrenzung eingesetzt weil es irgendwie gerecht und objektiv aussieht. Ich denke ein Lossystem wäre gerechter.
Die Kritik an den schwammigen Aussagen kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen. “Wir wollen doch was lernen, und das möglichst schnell, damit wir schnell arbeiten können” ist die vom Bachelorsystem aufgezwungene Vorstellung des Sinns der Universität. Hier so zu tun als sei die (faktisch vorhandene) Verschulung des Studiums nur eine Problem für Faule, die eigentlich gar kein Interesse haben, finde ich schon beinahe beleidigend. Sicherlich gibt es viele die einfach nur möglichst schnell studieren wollen um möglichst bald in einen Job zu kommen. Die konnten das aber auch schon im alten Magister machen. Das Bachelorsystem beraubt einen der Möglichkeit, sein Lerntempo (und auch den Lehrstoff) selbst zu bestimmen. Gerade in der Japanologie wird das Studium dadurch zu einem geadelten Japanischkurs, was es eben eigentlich nicht ist. In den ersten 2 Jahren (ca.) lernt man hauptsächlich die japanische Sprache und grundlegende Kenntnisse über Wirtschaft, Geschichte und Gesellschaft. Der Bachelorstudent hat jetzt noch ein Jahr um sich echte Inhalte anzueignen, was absolut illusorisch ist. Der Bachelorstudiengang ohne anschließenden Master ist in der Japanologie vollkommen unsinnig, da einem schlicht die Zeit fehlt sich über die Kenntnisse des Japanischen hinaus etwas anzueignen (und vielleicht auch mal einen Kurs in der Indologie, in der Informatik, in den Religionswissenschaften zu besuchen). Aber im Sinne der Gleichmacherei bei der Einführung der neuen Studiengänge wurde so etwas natürlich nicht bedacht. Wohlgemerkt: Der Bachelor ist ein sehr guter Japanischkurs! Aber eben auch nicht viel mehr.
Das Problem an der Anwesenheitspflich ist, dass (wieder einmal) sinnvolle allgemeine Regeln (bei mangelnder Anwesenheit kein bestehen) durch unsinnig spezifische, bürokratische und unpersönliche Vorschriften ersetzt werden (3 mal gefehlt -> durchgefallen). Da die Bachelorstudenten sich auch nicht während eines Kursen entscheiden können, ihn doch erst später zu machen, sondern vor Beginn des Kurses sich fest für diesen Anmelden müssen, bedeutet es für einige die Exmatrikulation wenn sie einmal zu oft unentschuldigt fehlen. Regelungen zur Anwesenheit sollten immer individuell sein. Muss diejenige, die schon 2 Jahre in Japan gelebt hat und jede Sprachklausur mit Bestnoten abschließt wirklich in jeder Stunde anwesend sein?
Das zusätzlich auch noch JEDE Note in das Bachelorzeugnis mit eingeht verstärkt den Stress noch: Plötzlich muss man in jedem Kurs gut sein. In einem thematisch so breiten Fach wie der Japanologie ist das aber ebenfalls unsinnig: Warum sollte ich besser klassisches Japanisch aus dem 12. Jahrhundert übersetzen können wenn ich im Toyota-Kurs gut war (andersrum gilt natürlich das selbe)?
Ein vorläufiges Schlusswort:
Die Umstellung auf das BA/MA-System ist eine Einschränkung der Freiheit der Studenten wie der Dozenten, die Universität so zu gestalten wie sie es für sinnvoll halten. Inhalte werden bürokratischen (angeblichen) Zwängen untergeordnet, Studenten werden zum durchhecheln des vorgegebenen Stoffes gezwungen. Dich selbst mit den eigenen Interessen zu beschäftigen wird nahezu unmöglich. Wissenschaftlich kann dies der deutschen Japanologie auf Dauer nur Schaden. Das sich das einzige verbliebene deutsche Journal (die “Japanstudien”) nun in “Contemporary Japan” umbenannt hat und auf Englisch als Hauptsprache umstellt ist da ja schon fast nur konsequent. Ob die Streiks hier etwas bringen weiß ich nicht. Das jedoch anscheinend endlich auch bei den Studenten das Bewusstsein wächst, dass hier etwas nicht in Ordnung ist, kann ich nur begrüßen.
“So weit ich weiß gibt keine Statistiken die einen Zusammenhang zwischen Abiturnote (die sich ja aus wer-weiß-was zusammensetzen kann) und den späteren Noten im Japanologiestudium nachweisen.”
Was, die wissenschaftliche Methode anwenden auf Dinge, die das wissenschaftliche Arbeiten betreffen? Als ob das realistisch wäre.